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Geschenk-Gutscheine und Umsatzsteuer

Änderung zum 01.01.2019 Zum Jahresbeginn 2019 hat es gemäß der EU-Gutscheinrichtlinie eine Änderung bei der Handhabung der Umsatzsteuer auf Geschenkgutscheine gegeben, deren Konsequenzen für den Einzelhandel durchaus kontrovers diskutiert werden.

Es geht bei der Unterscheidung zwischen „Einzweck-„ oder „Mehrzweck-Gutscheinen“ um die Fälligkeit der Umsatzsteuer:

  • „Einzweck-Gutschein“: die USt. ist direkt beim Verkauf des Gutscheins fällig,
  • „Mehrzweck-Gutschein“: im Ggs. dazu erst bei der Einlösung.  

Näheres dazu siehe z.B.: https://www.lederwareneinzelhandel.de/2018/12/14/gutscheine-neue-umsatzsteuerliche-behandlung-ab-1-januar-2019

Konsequenzen für prohandel-Anwender:

Die ab 2019 neu eingeführte Regelung stellt das bisherige langjährige Verfahren in Frage, indem nun argumentiert wird, dass Gutscheine im Textil-Einzelhandel generell als „Einzweck-Gutscheine“ angesehen werden müssten. Begründung: da i.d.R. nur Waren mit voller MwSt. angeboten werden und auch der Ort der Warenlieferung gegen den Gutschein derselbe sei (Inland), ist beim Verkauf des Gutscheins eindeutig zu bestimmen, welchem MwSt.-Satz die später zu erhaltenden Waren unterliegen. In der Konsequenz müsste für solche Gutscheine also schon bei der Ausgabe der volle MwSt.-Satz aus dem Gutscheinwert ermittelt und sofort abgeführt werden. Dafür wird dann bei Einlösung dieser Wert  nicht nochmals abgeführt. Es ergibt sich daraus der kurios anmutende Fall, dass für zwei Kassen-Bons, in denen jeweils derselbe Artikel mit identischem VK-Preis verkauft wurde, abhängig von der Zahlungsart unterschiedliche USt.-Beträge abgeführt würden.

Beispiel a: Artikel 4711 VK 119,-€ => komplett bar bezahlt: 19,-€ Steuer fällig.
Beispiel b: Artikel 4711 VK 119,-€ => mit 50,-€-Einzweck-Gutschein bezahlt + Rest in bar: 11,02€ Steuer (19% von 69,-€), da beim Bonverkauf bereits 7,98€ abgeführt wurden.

Möglichkeiten:

Als Anbieter einer Software können wir hier keine Ratschläge geben, sondern nur Möglichkeiten aufzeigen. Eine Abstimmung mit dem Steuerberater ist ratsam.

  1. wenn im Hause Ware mit verschiedenen MwSt.-Sätzen angeboten wird (also auch bestimmte Lebensmittel, Süßwaren, Bücher, Zeitungen o.ä.), dann kann argumentiert werden, dass beim Gutscheinverkauf eben nicht eindeutig bestimmbar ist, welchem MwSt.-Satz die letztendlich mit diesem Gutschein erworbene Ware unterliegt – also handelt es sich um „Mehrzweck-Gutscheine“, deren Ausgabe USt.-frei
    Dieser Rat wird auch vom Lederwaren-Einzelhandelsverband gegeben (s. o.g. Link) – ähnlich hat sich auch schon eine BTE-Publikation geäußert. Auf diesem Wege wäre womöglich die Einstufung als „Einzweck-Gutschein“ zu vermeiden und das komplizierte Abrechnungs-verfahren vermieden.
    Ob diese Sicht jedoch einer zukünftigen Rechtsprechung standhalten kann, ist heute offen.
  2. In prohandel steht deshalb eine Wahlmöglichkeit zur Verfügung, mit der entschieden werden kann, ob Gutscheine ab dem Zeitpunkt x als „Einzweck-„ oder „Mehrzweck-Gutschein“ betrachtet werden sollen. Standardmäßig bleibt die bisherige Variante „Mehrzweck-Gutschein“ aktiviert, bis Sie vom Anwender generell umgestellt wird.
    Für den Verkauf von Gutscheinen muss man sich für das eine oder das andere Verfahren entscheiden – die Einlösung beider Varianten ist über eine interne Kennzeichnung der Gutscheine automatisch korrekt. Für die FIBU-Schnittstelle muss ggf. dann noch ein weiteres Konto für die neue Gutscheinart hinterlegt werden.
    Der Kassenbon bei Verkauf und Einlösung von „Einzweck-Gutscheinen“ wird automatisch angepasst; ebenso Kassenabrechnung und FIBU-Übergabe.

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